IG Metall Salzgitter-Peine
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17.06.2019, 11:06 Uhr

Frank Klingebiel, Oberbürgermeister der Stadt Salzgitter

"Ich bin außerordentlich beeindruckt, dass heute nicht nur so viele Kolleginnen und Kollegen hier vor Ort waren, sondern dass darüber hinaus auch praktisch die ganze Stadt mit auf den Beinen war. Das macht Salzgitter aus. Stahl ist unser Ursprung, unser Herz und unsere Zukunft. Seit der verhinderten Demontage stehen wir hier zusammen für die Arbeitsplätze ein, in guten wie in schlechten Zeiten sozusagen. Jetzt haben wir wieder so eine Situation, die an die Substanz geht, denn ohne die Stahlproduktion würden hier die Lichter aus gehen. Damit das nicht passiert, müssen sich die unfairen internationalen Wettbewerbsbedingungen ändern.

Es darf nicht sein, das unsere Stahlproduktion hier vor Ort, die ökologisch führend ist, auch noch künstlich durch Steuern und Zertifikathandel verteuert wird und sich damit die Wettbewerbsbedingungen für den Standort verschlechtert. Andere Länder hingegen subventionieren ihre ökologisch unsaubere Stahlproduktion. Das geht nicht, dagegen muss es aus Brüssel Regelungen für wirksame Strafzölle auf Billig-Stahlimporte geben. Nur so können die unfairen Wettbewerbsbedingungen wieder ausgeglichen werden."

Nils Knierim, Vertrauenskörper-Leiter Salzgitter Flachstahl GmbH

"Die qualitativ hochwertige Stahlproduktion in Salzgitter ist wichtig, weil wir die Grundstoffproduktion in Deutschland halten müssen. Als Hochindustrieland dürfen wir uns in diesem Bereich nicht von Importen abhängig machen.

Überall auf der Welt sollte es faire Arbeitsbedingungen und gute Löhne geben, dafür stehe ich als überzeugter IG Metaller ein. Leider jedoch wird in anderen Ländern Billig-Stahl zu Lasten der Beschäftigten produziert.

Sollten die CO2-Zertifikate teurer werden, wäre das für uns eine existenzielle Bedrohung. Wir hier produzieren z.B. Strom, in dem wir die so genannten Kuppelgase verbrennen und zur Energiegewinnung nutzen. In anderen Ländern werden diese sehr klimaschädlichen Gase einfach in die Atmosphäre abgeleitet. Es wäre Irrsinn, wenn wir für diesen Prozess auch noch Steuern bezahlen sollten."

Bernd Rohr, Betriebsratsvorsitzender Salzgitter Europlatinen

"Wir verarbeiten hier in Salzgitter Stahl zu Automobilteilen weiter und liefern diese z.B. nach Wolfsburg, aber auch an andere Automobilstandorte in Deutschland. Deswegen ist es sinnvoll, dass der  Stahl hier vor Ort erzeugt wird und nicht irgendwo auf dem Globus.

Damit das funktioniert, müssen die Rahmenbedingungen auf bundesdeutscher und europäischer Ebene stimmen. Einerseits müssen wir vor Importen zu Dumping-Preisen geschützt werden und andererseits dürfen unsere Produkte nicht aufgrund von Kohlendioxid-Zertifikaten und Erneuerbarer-Energien-Umlage verteuert werden."

Stefan Klein, SPD-Abgeordneter im niedersächsischen Landtag

Die Stahlindustrie ist der Anfang der Wertschöpfungskette. Diese muss hier vor Ort erhalten bleiben. Dafür brauchen wir entsprechende politische Rahmenbedingungen: Die Europäische Union  muss Billig-Importe mit Strafzöllen belegen und zwar viel deutlicher als bisher, um die Wettbewerbsnachteile für die deutschen Standorte auszugleichen.

Grundsätzlich ist es richtig, Kohlendioxid-Emissionen zu verteuern. Das darf aber nicht dazu führen, dass die energieintensive, aber eben auch sehr energieeffiziente Stahlproduktion in Deutschland dadurch bestraft wird. Vielmehr muss diese hohe Energieeffizienz durch die Zuteilung von freien Kohlendioxid-Zertifikaten belohnt werden.

Sebastian Wertmüller, Geschäftsführer ver.di-Bezirk Region Süd-Ost-Niedersachsen

Salzgitter lebt von der Industrie, Salzgitter lebt vom Stahl. Wenn die Hütte einen Niedergang erlebt, wird sich das auf alle Bereiche negativ auswirken, gleich ob Handel, Krankenhäuser, Verwaltung und so weiter...

Das ganz große Ziel wäre, weltweit nur noch ökologisch zu produzieren. Solange das noch nicht funktioniert, muss die Europäische Union die heimische Stahlproduktion vor billigen und unsauberen Produkten schützen.

Thorsten Rittel, Betriebsratsvorsitzender Verkehrsbetriebe Peine-Salzgitter

Salzgitter als Stadt ist durch das Stahlwerk entstanden, hier arbeiten mindestens 10.000 Kolleginnen und Kollegen. Alles, was den Standort negativ beeinflusst, wirkt sich nicht nur auf diese 10.000 aus, sondern auch auf deren Familien. Wenn es dem Stahlwerk schlecht geht, wir die Lebensader der ganzen Stadt durchschnitten. Deswegen muss die Politik ihre Pläne zur EEG-Umlage überdenken. Die damit einhergehenden finanziellen Belastungen wären so hoch, dass der Standort Peine unmittelbar vor dem Aus stünde. Dies würde wieder auf die Standorte in Ilsenburg und Salzgitter rückwirken.

Hinzu kommen auf europäischer Ebene noch die Kosten für Kohlendioxid-Zertifikate, die uns belasten. Aber: In Europa allein können wir das Weltklima nicht retten! Das geht nur mit weltweit abgestimmten Maßnahmen. Leider haben bisherige Abkommen wie z.B. das in Kyoto beschlossene nicht wirklich viel gebracht. Wir retten das Weltklima ganz sicher nicht dadurch, dass hier die sehr saubere Stahlproduktion zu Grunde geht und stattdessen schmutzig produzierter Stahl importiert wird.

Torsten Gutsman, Vertrauenskörper-Leiter und Betriebsrat Peiner Träger GmbH

An jedem Arbeitsplatz hier in der Stahlindustrie hängen drei weitere Arbeitsplätze in anderen Bereichen. Die derzeitige Politik belastet mit der EEG-Umlage und den Kohlendioxid-Zertifikaten die Stahlproduktion und gefährdet damit Arbeitsplätze. Das muss sich ändern!


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