IG Metall Salzgitter-Peine
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06.08.2020, 23:08 Uhr

Gedenkstunde 11. April

Betriebsratsvorsitzender Cakir erinnert an 75.ste Wiederkehr der Befreiung vom deutschen Faschismus

  • 27.04.2020
  • Aktuelles, Salzgitter AG, Regionale Themen

Seit dem Jahr 1985 organisiert der Betriebsrat der Salzgitter Flachstahl GmbH gemeinsam mit dem Arbeitskreis Stadtgeschichte ein Gedenken zur Erinnerung an die Befreiung der Stadt Salzgitter vom deutschen Faschismus am 11. April 1945. In diesem Jahr blieb der Appellplatz des ehemaligen Konzentrationslagers Drütte fast menschenleer. Nur der Betriebsratsvorsitzende Hasan Cakir stand mit einem Blumengesteck am 11. April vor der Erinnerungstafel.

Seit Anfang des Jahres liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Mit dem Arbeitskreis Stadtgeschichte war das Schwerpunktthema für die Auszubildenden festgelegt. Sie beschäftigten sich in einem einwöchigen Seminar Anfang März mit dem Luftangriff auf den Räumungstransport aus Salzgitter am Güterbahnhof Celle. Der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten Dr. Jens-Christian Wagner konnte als Hauptredner gewonnen werden.
„Ausgerechnet zur 75.sten Wiederkehr der Befreiung der Stadt Salzgitter ist der Platz verweist“, drückt Cakir bedauernd aus. Dies schmerzt ihn besonders, da er seit über 10 Jahren großen Wert darauflegt, dass die Auszubildenden einen Teil der Gedenkstunde mitgestalten. Damit übernehmen sie eine große gesellschaftliche Verantwortung. Die Erinnerung ist wichtig, damit ein derartiges Verbrechen nie wieder geschieht.
In diesem Jahr hätten die Auszubildenden diese Ereignisse nach dem Fliegerangriff im Güterbahnhof Celle dargestellt. Für die Bomberstaffeln der Alliierten war nicht ersichtlich, dass sich in den Deportationszug KZ-Häftlinge auf Weg in das KZ Bergen-Belsen befanden.  
Die Waggons wurden zum Teil getroffen, die fliehenden Häftlinge wurden von der SS verfolgt, einige konnten sich in der Umgebung verstecken. Die Unmenschlichkeit des damaligen Systems wird darin deutlich, dass mindestens 170 Menschen im Massaker von Celle durch SS und Celler Bürger zusammengetrieben und ermordet wurden.
In Cakirs nicht gehaltener Eröffnungsrede wollte er für heute und in Zukunft die Wichtigkeit herausstellen, dass sich junge Menschen für ein friedvolles Zusammenleben einsetzen.
Cakir möchte herausheben, dass der Arbeitskreis Stadtgeschichte ein virtuelles Gedenken in diesem Jahr organisiert hat. Seit dem 8. April werden bis zum 8. Mai zweimal wöchentlich Ereignisse und Schicksale von ehemaligen KZ-Häftlingen auf der Internetseite der Gedenkstätte vorgestellt.

Abschließend erinnert Cakir an eine langjährige Tradition, die der Arbeitskreis Stadtgeschichte vor vielen Jahren angeregt hatte. Danach haben sich viele Organisationen dafür entschieden, während der Gedenkstunde keinen Trauerkranz niederzulegen, sondern das Geld für Projekte des Vereins zu spenden. „In diesem Jahr wäre eine Spende für den Arbeitskreis Stadtgeschichte ein schönes Zeichen“, so Cakir. Er bedauert, dass wir in diesem Jahr nicht gemeinsam auf dem ehemaligen Appellplatz zusammenstehen können. Dennoch möchte er die Menschen gedanklich verbunden wissen.

(Pressemitteilung des Betriebsrates der Saltgitter Flachstahl GmbH)
 
Hintergrund: Das erste Außenlager – KZ Drütte
Quelle: Arbeitskreis Stadtgeschichte
http://www.gedenkstaette-salzgitter.de/das-erste-aussenlager/
Im Oktober 1942 errichteten die SS und die Reichswerke „Hermann Göring“ das KZ Drütte, eines der ersten Außenlager des KZ Neuengamme. Die Unterbringung der etwa 3000 KZ Häftlinge erfolgte auf dem Werksgelände in vier Blocks unter einer Hochstraße. Verwaltungsräume gehörten ebenfalls zum Lager. Die Häftlinge wurden in der Rüstungsproduktion zur Arbeit gezwungen.
Am 7. April 1945 mussten die Häftlinge des KZ Drütte gemeinsam mit den Frauen aus dem KZ Salzgitter-Bad und einem Transport aus dem KZ Holzen einen Zug besteigen. Am nächsten Tag wurde er von einem Luftangriff der Alliierten auf dem Güterbahnhof in Celle getroffen. Viele Häftlinge kamen dabei ums Leben. Diejenigen, die sich zunächst in die Umgebung retten konnten, wurden von der SS und zivilen Celler Bürgern zusammengetrieben, teilweise auch wahllos erschossen.
Die Marschfähigen traten einen „Todesmarsch“ in das KZ Bergen-Belsen an. Die zurückgebliebenen Häftlinge ließ man im Marstall in Celle unversorgt zurück, wo die Überlebenden am 12. April 1945 befreit wurden.
 
Gedenktage 2020 - Arbeitskreis Stadtgeschichte
http://www.gedenkstaette-salzgitter.de/category/gedenktage/

 


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