IG Metall Salzgitter-Peine
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17.11.2019, 03:11 Uhr

+++ Internationaler Tag der Arbeit +++

Europa im Mittelpunkt der diesjährigen Maireden

  • 02.05.2019
  • Aktuelles

Auch in diesem Jahr nahmen Tausende in der Region an den Maikundgebungen des DGB teil. In Salzgitter kamen über den Tag 4500 Menschen zur Maiveranstaltung an der Alten Feuerwache. In Peine folgten rund 250 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter dem Aufruf des DGB und nahmen an Kundgebung und Familienfest teil. In den Kundgebungen der Region war Europa zentrales Thema. Die Gewerkschafter warnten vor Entsolidarisierung und Nationalstaaterei.

SALZGITTER:

Eine der größten Mai-Kundgebungen in der Region fand in Salzgitter statt. Hier startete die Maiveranstaltung ganz traditionell mit einem bunten und langen Demozug durch die Lebenstedter Innenstadt. Angekommen auf dem Platz an der Alten Feuerwache begrüßte Marion Koslowski-Kuzu als Kreisvorsitzende des DGB SZ die rund 4500 Teilnehmenden. In ihrer Rede erläuterte sie, weshalb das Projekt Europa ein Friedensprojekt sei. Wir brauchen ein soziales Europa, mit angeglichenen Lebensbedingungen, mit einer Umverteilung des Reichtums, einem Erreichen der Klimaziele. Die Transformation der Arbeitswelt muss mit den Menschen geschehen und sie nicht wegrationalisieren.

Die Hauptrede war in diesem Jahr Prof. Dr. Klaus Dörre vorbehalten. Der Arbeitssoziologe und Rechtspopulismus-Experte warnte eindringlich davor, die anstehende Europa-Wahl zu einer Protestwahl zu machen. "Wer die AfD für einen Denkzettel nutzt, der macht einen unglaublichen Fehler", sagte er. Rechtspopulisten spielten sich als die Anwälte kleiner Leute auf und versprächen alles Mögliche. Dörre stellte fest, dass sie dabei sogar bei Gewerkschaftsmitgliedern Erfolg hätten. Zitate aus einem Interview-Band des AfDlers Björn Höcke zeigten, wo ein Erfolg hinführen könne. Höcke spricht unter anderem von "wohltemperierten Grausamkeiten". Wohltemperierte Grausamkeit habe es auch in der Reichspogromnacht gegeben, letztlich habe das zu Massenmord, Konzentrationslagern und nicht zuletzt der Zerschlagung von Gewerkschaften geführt. "Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber", rief Dörre unter großem Beifall. Um Rechtspopulismus etwas entgegenzusetzen, müsse Europa zu einem sozialeren Ort werden, zu dem Menschen Vertrauen haben. Ein "Wohlfahrtsstaat über die nationalen Grenzen hinweg" müsse Europa sein, mit einem europäischen Mindestlohn, einer Stärkung von Gewerkschaften und einer Verringerung der Ungleichheit.

Es folgten für das Jugendbündnis Salzgitter Ayse Abaci und Niklas Henk. Sie zeigten aus ihrer Sicht auf, was Europa besser machen könnte. Unter anderem müsse das Sterben im Mittelmeer aufhören, weil sich Europa wie eine Festung abschottet. „Wer Waffen sät, erntet Flüchtlinge“, folgerte Ayse. Wenn man Umwelt- und Klimaschutz ernst nehme, sind Veränderungen auch in den Industriebetrieben nötig, stellte Niklas fest. In Salzgitter findet am 10. Mai eine Fridays-for-future-Demo statt, an der sich möglichst Viele beteiligen sollen. Beide Redner des Jugendbündnisses wandten sich deutlich gegen rechtspopulistische Tendenzen. Sie riefen sie zu einer Gegendemonstration gegen eine AfD-Demo am 18. Mai auf und appellierten, am 26. Mai zur Europawahl zu gehen.

Bei Musik von Voltage, buntem Kinderprogramm, zahlreichen Infoständen sowie vielen kulinarischen Leckereien und Kaltgetränken wurde ausgelassen gefeiert.

 

PEINE:

Am Peiner Gewerkschaftshaus versammelten sich rund 250 Besucher zur Maikundgebung. Frank Raabe-Lindemann, Kreisvorsitzender des DGB Peine, begrüßte die Gäste mit dem diesjährigen Motto des Tages der Arbeit: „Europa – jetzt aber richtig“. Anschließend berichtete die Betriebsratsvorsitzende des Klinikums Peine, Christine Leckelt, von der aktuellen, mieserablen Lage des Klinikums Peine und rief dazu auf, sich an der Demo am 11. Mai zu beteiligen.

Die Mairede hielt der Regionsgeschäftsführer Südost-Niedersachsen des DGB, Michael Kleber. Die DGB-Gewerkschaften riefen heute alle demokratischen Kräfte auf, einen Kurswechsel einzuleiten – hin zu einem solidarischen Europa, das die Menschen schützt, hin zu einem Europa, das gute Arbeit, sozialen Fortschritt und Wohlstand für alle sichert. Eine zukunftsorientierte EU, der die Menschen wieder vertrauen, sei das Ziel der Europawahl. Jeder, der sein Wahlrecht nutze, könne dazu beitragen. Auch gewerkschaftliche Erfolge machte Kleber zum Thema seiner engagierten Rede: Diese zeigten sich unter anderem in guten, wenn auch hart erkämpften Tarifabschlüssen. Neben höheren Löhnen und Gehältern geht es auch um Bestimmungen für mehr Freiheit bei der Lebens- und Familienplanung. (Die gesamte Rede findet sich unten im download)

Im Anschluss an die Kundgebung ging die Maifeier als buntes Familienfest weiter: Ponyreiten, Hüpfburg, Kinderschminken und weitere kreative Angebote des Kinderschutzbundes für die Kleinen, Musik der Poor Boys für die Großen, dazu Bratwurst und kühle Getränke.

 

1. Mai in Salzgitter

Datum: 01.05.2019

Fotos: IG Metall


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