IG Metall Salzgitter-Peine
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29.11.2020, 04:11 Uhr

Tarifflucht

IG Metall erhöht Druck auf die Funktel GmbH - Geschäftsführung droht mit Verlagerung

  • 21.10.2020
  • Aktuelles, Betriebe, Tarif

Mit dem zweiten Warnstreik innerhalb von zwei Wochen weitet die IG Metall am heutigen Mittwoch ihren Kampf für die Tarifbindung der Funktel GmbH aus. Verstärkung erhalten die ca. 80 Beschäftigten vor Ort durch die IG Metaller bei SMAG, MAN, Alstom, Bosch, Meyer, Volkswagen, Salzgitter Flachstahl und weiteren Betrieben. Hintergrund ist die weiterhin andauernde Verweigerung der beiden Geschäftsführer der Funktel GmbH, die Herren Hennicke und Minderhout, die Tarifverhandlungen mit der IG Metall aufzunehmen.

„Es ist schlichtweg eine Sauerei“, empört sich Andrea Deiana, der IG Metall Vertrauensköperleiter von MAN Salzgitter, „wie die beiden Eigentümer und Geschäftsführer hier mit ihrer Belegschaft umgehen. Genau wie der MAN Vorstand haben diese Herren ihren sozialen Kompass völlig verloren. Anstatt Gespräche und Verhandlungen mit der Belegschaft zu führen, werden den Kollegen hier einseitige Entscheidungen vor die Nase gesetzt.“
Die Tarifflucht der Funktel GmbH ist nach dem Austritt aus dem Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall zum 01. April 2020 wirksam geworden. Coronabedingt musste die IG Metall die Forderung nach einem Anerkennungstarifvertrag zur Metall- und Elektroindustrie Niedersachsen aussetzen. Seit Anfang Oktober hat die Auseinandersetzung an Fahrt aufgenommen. Auf den ersten Warnstreikaufruf der IG Metall vor zwei Wochen reagierten die Geschäftsführer eine halbe Stunde vor der Arbeitsniederlegung mit der Androhung, die Fertigung und die Reparatur am Standort zu verlagern.
„Diese beiden Arbeitsbereiche sind immer wieder im Gespräch“, erläutert die Betriebsratsvorsitzende der Funktel GmbH Heidi Reupke. „Die Geschäftsführer sehen in der Verlagerung Potentiale zur Kosteneinsparung. Auch ohne unsere Forderung zur Tarifbindung arbeiten sie an ihren Denkspielen zur Verlagerung. Dabei schrecken sie eben auch nicht davor zurück, große Teile unserer Belegschaft mit Existenzvernichtung zu bedrohen.“
Tatsächlich haben die Geschäftsführer aber das Gegenteil bewirkt, was sie mit der Angst-Methode erreichen wollten. „Die Herren Hennicke und Minderhout haben die Kampfbereitschaft ihrer Belegschaft einfach unterschätzt. Selbstbewusste Beschäftigte möchten nun mal nicht bedroht werden“, gibt Marion Koslowski-Kuzu von der IG Metall Salzgitter-Peine ihre Eindrücke wider. „Der erste Kollege, der zum Warnstreik aus dem Betrieb herauskam, meinte, bisher wäre er unschlüssig gewesen. Aber durch die Nachricht der Geschäftsführer hätte er keinen Zweifel mehr an der Arbeitsniederlegung gehabt.“
Nach dem hohen Zuspruch der Belegschaft, mit Warnstreiks der Forderung nach Tarifbindung Nachdruck zu verleihen, ist die Geschäftsführung umgeschwenkt. Statt mit Angst zu arbeiten, setzen sie nun auf ihre Überzeugungskraft. In drei Inforunden haben sie gestern die Beschäftigten überzeugen wollen, warum es besser sei, ohne Tarifvertrag zu arbeiten. Zu den Veranstaltungen wurde die IG Metall nicht eingeladen.
„Wir haben einfach die besseren Argumente und alles spricht für eine Tarifbindung“, weiß Helge Bonse, Betriebsratsvorsitzender bei der SMAG. „Unsere Geschäftsführung im Betrieb hat die IG Metall als verlässlichen Partner schätzen gelernt. Im Frühsommer haben wir betriebliche Verhandlungen geführt und gemeinsam Lösungen für unsere schwierige wirtschaftliche Situation gefunden. Diese Herr-im-Haus-Haltung der Funktel-Geschäftsführer ist doch völlig aus der Zeit gefallen. Sie sollen endlich auf die IG Metall zugehen.“
Durch die Beteiligung der anderen Betriebe hat die Belegschaft der Funktel GmbH in ihrem zweiten Warnstreik ordentlich Rückenwind erhalten. „Unsere Solidarität gibt uns viel Kraft. Wir werden nicht nachlassen, unser Recht auf Tarifbindung einzufordern“, betont Ina Kaczmarczyk, Vertrauensfrau der IG Metall bei Funktel.

Die Funktel GmbH mit Sitz in Salzgitter-Bad ist ein führender Hersteller von Funk-Sicherungssystemen, unter anderem für Justizvollzugsanstalten, Energieerzeuger und -versorger sowie Krankenhäuser. Die öffentliche Hand ist damit der wesentlichste Kunde des Unternehmens. Die Gewerkschaften im DGB fordern ein bundesweites Tariftreuegesetz für die Vergabe öffentlicher Aufträge. Die Tarifflucht der Funktel GmbH ist ein weiteres Beispiel für die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung. Öffentliche Aufträge, die aus Steuermitteln bezahlt werden, sollten nur an Unternehmen vergeben werden, deren Beschäftigte zu demokratisch ausgehandelten Tarifbedingungen arbeiten.


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