IG Metall Salzgitter-Peine
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13.08.2022, 12:08 Uhr

Stahlindustrie

Neuer Konzernbetriebsrat bei Salzgitter AG gewählt

  • 11.07.2022
  • Aktuelles

Salzgitter – Vor wenigen Tagen wurden 33 Mitglieder in den Konzernbetriebsrat der Salzgitter AG gewählt (s. Foto). Sie vertreten die Interessen der über 22.600 Wahlberechtigten an den deutschen Standorten der Salzgitter AG, darunter die Salzgitter Flachstahl-, die Ilsenburger Grobblech-, die Peiner Träger GmbH sowie die Mannesmannröhren-Werke.

Hasan Cakir, Konzernbetriebsratsvorsitzender

Die Konstituierung des Konzernbetriebsrat ist am 28. Juni erfolgt. Als Vorsitzender des Konzernbetriebsrats wurde Hasan Cakir gewählt, der bereits seit 16 Jahren Betriebsratsvorsitzender der Salzgitter Flachstahl GmbH ist und vor einigen Monaten mit deutlicher Mehrheit als Betriebsrat wieder gewählt worden ist.  Stellvertretender Vorsitzender des Konzernbetriebsrats ist Konrad Ackermann, der zugleich Betriebsratsvorsitzender der KHS GmbH am Standort Dortmund ist. Als Schriftführer des Konzernbetriebsrats wurde Dirk Markowski gewählt, der als Betriebsratsvorsitzender der Mannesmann Precision Tubes GmbH am Standort Bielefeld tätig ist.

Großes Thema, sowohl während der Betriebsratswahlen, als auch in der heutigen Aufsichtsratssitzung der Salzgitter Flachstahl GmbH, ist das Vorhaben, die Stahlproduktion CO2-arm aufzustellen. Mit der Strategie 'Salzgitter AG 2030' sollen zukünftig alle Produkte und Prozesse dem Prinzip der ressourcenschonenden geschlossenen Energie- und Materialkreisläufe unterliegen. Das soll perspektivisch durch den Einsatz neuer Prozesse geschehen, bei denen Wasserstoff eine zentrale Rolle spielt. Der erste auf diese Weise produzierte Stahl soll 2025 angeboten werden. Um dieses Vorhaben umzusetzen, hat die Salzgitter AG ein Milliarden schweres Investitionsprogramm unter dem Namen SALCOS (Salzgitter Low CO2 Steelmaking) aufgelegt, das seinen Schwerpunkt insbesondere in der Salzgitter Flachstahl GmbH hat.

„Die im Aufsichtsrat abgestimmte Strategie stellt den Menschen in den Mittelpunkt und ist der absolut richtige Weg“, so der wiedergewählte Konzernbetriebsratsvorsitzende der Salzgitter AG, Hasan Cakir, am Rande der heutigen Aufsichtsratssitzung. Wir wollen die CO2-Emissionen in unserer Produktion zukünftig mit der Hilfe von Wasserstoff drastisch senken. Nur dann können wir unsere Arbeitsplätze nachhaltig sichern, die Akzeptanz der Beschäftigten für den ökologischen Umbau gewinnen und unsere Industriestandorte stärken.“

Die Transformation in der Stahlindustrie wird Milliarden kosten. Die Umstellung auf die Produktion von Grünem Stahl kann nur gelingen, wenn die heutigen Hochöfen durch modernere Anlagen ersetzt werden. Produktionsverfahren müssen grundlegend umgestellt werden, um den CO2-Ausstoß zu senken. Statt Hochöfen werden zukünftig Direktreduktionsanlagen Stahl produzieren. Zukünftig wird Wasserstoff, anstatt klimaschädliche Kokskohle, als Reduktionsmittel und Energieträger eingesetzt werden.

„Grünen“ Stahl produziert die Salzgitter AG aber trotzdem schon. Dafür braucht sie aber keinen Wasserstoff, sondern verwendet Elektrolichtbogenöfen, mit Erdgas beheizt, welches zunehmend durch erneuerbare Energien ersetzt wird, um den recycelten Stahlschrott einzuschmelzen. Die CO2-Emissionen sind laut Stahlhersteller im Gegensatz zu einer Stahl-Neuproduktion um 66 Prozent geringer. Perspektivisch will der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller seine CO2-Produktion um 95 Prozent verringern.

Damit dies auch wirklich gelingt, sieht der Betriebsrat vor allem die Politik in der Pflicht nachzulegen: „Die Beschäftigten der Salzgitter AG haben die klare Erwartungshaltung, dass die neue Landesregierung den Umbau unseres integrierten Hüttenwerks auf eine CO2-neutrale Stahlproduktion tatkräftig unterstützt“, macht Cakir deutlich. „EU, Bund und Land müssen Rahmenbedingungen schaffen und finanzielle Förderung ermöglichen, damit wir ausreichend Grünen Stahl für klimaneutrale Produkte der weiterverarbeitenden Industrie produzieren können.“

„Hinzu kommt: „Wir werden viel Geld brauchen, auch um eine vorausschauende Personalplanung für eine gemeinsame Zukunft zu entwickeln, die vom Vorstand unter Beteiligung des Betriebsrates konzipiert und umgesetzt werden muss“, erklärt der Gewerkschafter. „Schließlich müssen unsere Kolleginnen und Kollegen auch mit den neuen technischen Anlagen vertraut gemacht werden. Dafür braucht es weitreichende Qualifizierungsmaßnahmen, die ich bisher noch nicht sehe“, so Cakir. „Der Vorstand muss endlich seine Hausaufgaben machen und ein umfangreiches Qualifizierungsprogramm auflegen, welches den Mitarbeiter in den Mittelpunkt rückt. Darüber hinaus brauchen wir Beschäftigungskonzepte, um in der Übergangsphase von der Hochofenroute auf die Elektroofenroute beide Anlagen parallel betreiben zu können. Das bedeutet aber, dass hier ausreichend viele Menschen beschäftigt sein müssen, um diesen parallelen Betrieb der Anlagen aufrecht erhalten zu können.“  

„Darüber hinaus dürfen wir den demografischen Wandel nicht außer Acht lassen“, so der wiedergewählte Konzernbetriebsratsvorsitzende. „Ab 2030 werden viele Kolleginnen und Kollegen unseren Konzern aus Altersgründen verlassen. Das bedeutet, dass bereits jetzt ein exorbitanter Facharbeitermangel in Sicht ist. In zehn Jahren werden uns alleine bei der Flachstahl GmbH ca. 200 Beschäftigte innerhalb eines jeden Jahres verlassen. Wenn wir weiterhin jährlich nur noch 100 junge Menschen ausbilden, dann haben wir eine Lücke von 100 Beschäftigten in jedem Jahr zu verzeichnen. Man muss weniger mathematisch begabt sein, um diese Lücke zu erkennen: stumpfes rechnen hilft, um diese bittere Erkenntnis zu erlangen. Darüber hinaus werden auch andere Unternehmen den Facharbeitermangel zu spüren bekommen, sodass am Ende um die besten Arbeitskräfte am Markt gerungen wird. Ich bin der Meinung, unser Unternehmen übersteht diesen Wandel nur, wenn es sich als attraktiver Arbeitgeber präsentiert. Und genau an dieser Stelle werden die Betriebsräte der Salzgitter AG alles tun, damit sich der Konzernvorstand endlich zukunftsweisend in Bewegung setzt.“

 


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