IG Metall Salzgitter-Peine
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31.07.2021, 04:07 Uhr

80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion

Gedenken am 19. Juni auf den Friedhof Jammertal, Salzgitter

  • 23.06.2021
  • Aktuelles

"Liebe Kolleginnen und Kollegen, Liebe Freunde, wir Gedenken heute den 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion. Wir freuen uns ganz besonders, dieses Gedenken mit der Würdigung der freiwilligen und ehrenamtlich durchgeführten Grabpflegearbeiten auf dem Friedhof Jammertal verbinden zu können", sagt Matthias Wilhelm, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Salzgitter-Peine, in seiner Rede anlässlich des Gedenktages:

"Seit dem Mai 2018 verabreden sich unter der Organisation von Winfried Hennemann und Jörg Dreyer immer wieder 20 bis 40 Kolleginnen und Kollegen aus der Salzgitter Flachstahl GmbH, um zum Beispiel die Grabplatten von Wildwuchs zu befreien, die Info-Tafeln oder die Totenbücher zu reinigen und vieles mehr.

Hierfür möchten wir uns ganz herzlich bei Euch bedanken. Denn ihr leistet damit nicht nur einen wertvollen Beitrag im Erscheinungsbild unserer Stadt, sondern ihr leistet damit einen ganz besonderen Beitrag zu einer aktiven, freiwilligen und von Ehrenamtlichen getragenen Gedenk- und Erinnerungsarbeit in Salzgitter.

Mit eurem vorbildlichen Einsatz hier auf dem Friedhof Jammertal, erbringt ihr gegenüber den Opfern und den Hinterbliebenen eine ganz besondere Form der Wertschätzung und Anerkennung, die wiederum vielfach von den Hinterbliebenen und Angehörigen der Opfer bei Besuchen hier auf dem Friedhof Jammertal sehr wohl zur Kenntnis genommen und anerkannt wird. Herzlichen Dank für euren Engagierten Einsatz.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Liebe Freunde, Pandemie bedingt haben wir uns im Vorfeld entschieden keine öffentliche Veranstaltung durchzuführen und von einer Bewerbung dieser Veranstaltung abgesehen.

Besonders begrüßen möchte ich in unserer Runde Peter Baumeister, den Kreisvorsitzenden der Vereinigung der Verfolgten des Naziregims und des Bunds der Antifaschisten, unseren Oberbürgermeister Frank Klingebiel, Maike Weth, die Leiterin der Gedenkstätte KZ-Drütte und den Betriebsratsvorsitzenden Hasan Cakir von der Salzgitter Flachstahl GmbH. Mit Eurer Zusage habt ihr diese Gedenkveranstaltung in dieser Form erst möglich gemacht.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde, mehr als 30 Jahre nach dem Mauerfall und mehr als 30 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges „Lasst uns endlich Frieden schließen!“ Am 22. Juni dieses Jahres jährt sich zum 80. Mal der Überfall Angriff von Nazideutschland auf Russland und die Völker der Sowjetunion. Dies ist ein Tag des Erinnerns und Gedenkens, dies ist ein Tag der Trauer, der Scham und des Nachdenkens, dies ist aber auch ein Tag um für die Kooperation und Verständigung zwischen unseren Völkern einzutreten und zu werben.

Von deutschem Boden, ging ein grausamer Vernichtungskrieg aus, entstanden aus politischer Egozentrik, Arroganz und Überheblichkeit, getrieben vom Rassismus gegen Juden und andere Minderheiten sowie gegen die Völker der Sowjetunion. Er brachte unendliches Leid über die Menschen und forderte allein in der Sowjetunion mehr als 27 Millionen Opfer, vor allem aus Russland, der Ukraine und aus Belarus.

Es ist Teil der Verantwortung unserer Generation, dass diese Gräueltaten als Mahnung nicht in Vergessenheit geraten und den kommenden Generationen als Orientierung für ein Leben in Frieden und für die Verständigung dienen.

Zur Geschichte Europas gehört auch, dass die Sowjetunion - gemeinsam mit den anderen Alliierten - unter großen Opfern den Faschismus besiegt und Deutschland vom Hitlerfaschismus befreit hat. Zur Geschichte des deutsch-russischen Verhältnisses gehört ebenso, dass die Sowjetunion und ihr Rechtsnachfolger Russland maßgeblich die Wiedervereinigung Deutschlands und ein Ende des Kalten Krieges ermöglicht haben. Aus dieser Geschichte sollten wir lernen: Frieden in Europa gelingt nur, wenn auch Russland Teil der Lösung ist. Deshalb rufen wir insbesondere die regierenden Politiker Europas in Ost und West auf: Bewegt Euch!Verlasst endlich die Sphäre und die Logik des Kalten Krieges! Nicht die Panzertruppen oder Rüstungszahlen müssen wachsen, sondern die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen.

Macht es, wie es die Menschen in Russland, Deutschland und Europa tun. Macht es, wie die Menschen in der konkreten Arbeit in den Städtepartnerschaften, in den Jugendaustauschmaßnahmen, in Wirtschafts- und Wissenschaftskooperationen. Lasst uns Räume schaffen, in denen sich die Menschen begegnen, kennenlernen und einander verstehen lernen können! Lasst uns Räume schaffen, in denen aus ehemaligen Feinden Freunde werden können! Verlasst die mentalen Gefängnisse der Feindbilder, der Vorurteile und Ängste! (Ressentiments) Lasst uns endlich Frieden schließen! Die Völker Europas warten schon lange darauf.

Мир сейчас (Mir sej-tschas) (Peace now)"

 

Weitere Reden von Peter Baumeister, Vorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten im Kreisverband Peine und von Maike Weth, Leiterin der Gedenk- und Dokumentationsstätte KZ Drütte/ Arbeitskreis Stadtgeschichte e.V. sind weiter unten im Dateianhang zu finden.

 


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