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24.04.2024, 05:04 Uhr

IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt

Gender-Pay-Gap endlich beenden - Politisches, unternehmerisches und gesellschaftliches Umdenken notwendig!

  • 06.03.2023
  • Aktuelles

Laut Statistischem Bundesamt in Deutschland verdienten Frauen im Jahr 2022 im Durchschnitt 18 Prozent weniger als Männer. Diese prozentuale Differenz zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Frauen und Männern wird als Gender Pay Gap oder geschlechtsspezifische Lohnlücke bezeichnet. Im Jahr 2022 verdienten Frauen durchschnittlich 20,05 Euro brutto in der Stunde, was 4,31 Euro weniger als Männer (24,36 Euro) entspricht.

Wenn man diesen Wert von 18 Prozent Gehaltsdifferenz in Tage umrechnet, arbeiten Frauen vom 1. Januar an 65 Tage umsonst. Der Equal Pay Day, an dem die geschlechtsspezifische Lohnlücke symbolisch geschlossen wird, findet daher am 7. März 2023 statt. „Seit Jahren verharrt die Gender-Pay-Gap auf nahezu identischem Niveau und verschiebt sich nur um einzelne Kalendertage. Dabei braucht es den großen Wurf, um das, was für zu viele auf dem Papier selbstverständlich wirkt, auch endlich umzusetzen. Die Realität gestaltet sich nämlich vielerorts anders!“, erklärt Thorsten Gröger, IG Metall-Bezirksleiter für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Die Forderung nach gleicher Bezahlung für Männer und Frauen wurde bereits 1919 von Frauenrechtlerinnen in New York erhoben und ist seit 1951 als wesentliche internationale Arbeitsnorm verankert. Seit 2015 ist in der globalen Agenda der Vereinten Nationen die Gleichstellung von Männern und Frauen sowie der Forderung nach gleichem Entgelt für gleiche und gleichwertige Arbeit verankert. Das Entgelttransparenzgesetz von 2017 sichert Beschäftigten in Deutschland einen Anspruch auf Auskunft und verpflichtet Unternehmen, ihre Entgeltstrukturen zu überprüfen. Trotz dieser rechtlichen Vorgaben ist das Recht auf gleiche Bezahlung jedoch keine Garantie für eine faire Behandlung am Arbeitsplatz.

„Ein Blick über die Landesgrenzen hinaus zeigt: Deutschland steht im europäischen Ranking mit Blick auf die Gender-Pay-Gap so ziemlich auf den hinteren Plätzen. Für unser Fortschrittsland ist das beschämend und muss Ansporn sein, schnellstmöglich Verbesserungen der gleichen Bezahlung von Geschlechtern zu erzielen!“, so der Gewerkschafter weiter. Statt auf den hinteren Plätzen zu verweilen, müsse Deutschland eine führende Rolle in der Gleichstellung einnehmen.

Ein Teil der Lohnlücke zwischen Frauen und Männern in Deutschland kann auf strukturelle Faktoren wie die Wahl von Berufen mit niedrigeren Gehältern, eine geringere Anzahl von Frauen in Führungspositionen und häufigere Teilzeit- oder Minijob-Tätigkeit von Frauen zurückgeführt werden. Selbst wenn man diese Faktoren berücksichtigt und sich auf gleichqualifizierte Frauen und Männer in der gleichen Branche und in gleicher Position konzentriert, die gleich viel arbeiten, bleibt in Deutschland immer noch eine Lohnlücke von sieben Prozent bestehen. Die Gender Pay Gap in den ostdeutschen Bundesländern ist dabei überproportional hoch.

„Aber man kann ja nicht einfach hinnehmen, dass es offenkundig strukturelle Probleme gibt!“, so Gröger. Politik muss alles daran setzen, die Hürden für Frauen auf dem Arbeitsmarkt abzubauen und dafür Sorge zu tragen, dass die Care-Arbeit gerechter verteilt wird. Dazu gehöre unter anderem der noch konsequentere Ausbau der frühkindlichen Bildung mit Blick auf die Kinderbetreuung. Natürlich gehöre es ebenfalls dazu, dass bereits beschlossene Gesetze auf den Prüfstand kommen, um ihre Wirksamkeit zu überprüfen und etwaige Verschärfungen ins Verfahren zu geben: So beispielsweise beim Führungspositionengesetz und Entgelttransparenzgesetz. „In der Tat: Der beste Schutz gegen intransparente und ungerechte Gehälter sind Tarifverträge!“, führt der Bezirksleiter aus.

Neben vielen politischen Maßnahmen, brauche es zudem auch eine neue Kultur der Transparenz: „Noch immer ist es tabuisiert in Deutschland über Geld und Gehälter zu reden. Dabei geht es gar nicht darum, dass Gehaltsabrechnungen an die Kantinenwände getackert werden müssen, aber ohne einen Diskurs kann kein allgemeines Verständnis für bestehende Ungleichheiten geschaffen werden. In zahlreichen Betrieben weiß niemand, was sein Gegenüber verdient. Die Realität zeigt: Wenn zwei Beschäftigte das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe auf dem Konto. Und das darf 2023 einfach nicht mehr sein. Wir brauchen eine Gehaltstransparenz-Offensive! Zudem sind klare Tätigkeitsbeschreibungen und Stellenbewertungen sinnvoll.“

Die Sorge vieler Unternehmen, dass Anpassungen der Gehälter hohe Kosten verursachen würden, ist unbegründet. Im Durchschnitt betragen die Kosten für diese Anpassungen etwa ein bis drei Prozent der Gesamtlohnkosten, wodurch sie im Vergleich zu den vielen Vorteilen, die sich aus fairer Bezahlung ergeben, gering bleiben. „Das Nicht-Handeln hingegen würde die Unternehmen deutlich mehr kosten. Für die Unternehmenskultur, das soziale Miteinander und letztlich auch die Produktivität sowie Wirtschaftlichkeit ist das Beseitigen der Gender-Pay-Gap richtig und notwendig!“, fügt der Metaller abschließend an.


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